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Trau dich standesamtlich

Zu jeder Hochzeit gehören natürlich auch unromantische Dinge, wie Paragrafen, Büroräume, Öffnungszeiten und Anmeldefristen. Vorm Standesamt graute es mir demnach am meisten. Ich sah meine Hochzeit ja immer hyperromantisch in der Kirche oder irgendwo unter freiem Himmel. Für mich war die standesamtliche Vermählung irgendwie nur eine bürokratische Angelegenheit und ich war, bis kurz vor der Anmeldung in unserem weniger schönen Standesamt in Rostock, relativ gefasst und abgeklärt.  Mit der Wahl unserer Hochzeitslocation änderte sich dies allerdings drastisch.

Was für ein Anblick, was? Und das Beste kam erst noch. Das Gut Gerdshagen ist eingetragene Außenstelle des Standesamts in Satow. Das heißt, man kann sich dort entweder im Jagdzimmer mit pompösen Kamin und hohen, stuckverzierten Decken trauen lassen, oder (mein ganz persönlicher Traum) unter einer uralten Eiche unter freiem Himmel. Das war es! Plums, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Die standesamtliche Trauung in einem eher lieblos eingerichteten Rathausraum mit brummendem Verkehr vor der Tür würde für uns nicht in Frage kommen. Ich war überglücklich!

Genau sechs Monate vor unserem Wunschtermin, standen wir pünktlich um 8 Uhr zur Anmeldung der Ehe im Standesamt unserer Heimatstadt. Wir waren eigentlich recht relaxed, da wir ja keinen Termin in dem rostocker Standesamt haben wollten, sondern in dem Standesamt von Satow, in dem so oder so nur selten jemand heiratet. Vor uns spielten sich aber Szenen ab, wogegen die Szenen im Film „Bridewars“  fast lächerlich waren (Insider Bräute wissen Bescheid) .

Fünf Paare hatten ihr Lager bereits seit 7  Uhr vor dem Standesamt aufgeschlagen. Als es dann endlich los ging, hatte sich ein Paar „versehentlich“ vordrängelt. Tumult und Unruhe brachen aus und das „rechtmäßige“ Brautpaar in spe, riss die Bürotür auf und zerrte das unehrliche Pärchen von seinen Stühlen. Die Beamtin in ihrem Büro staunte auch Bauklötze. Den Mund machte sie aber nicht auf. Vermutlich hatte sie so etwas nicht zum ersten Mal erlebt. Ich sag euch, besser als in jedem Film. Was ihr alles bei der Anmeldung zur standesamtlichen Trauung beachten müsst, könnt ihr HIER gerne nachlesen, damit ihr auch etwas entspannter an die Sache herangehen könnt.

Termin check, Location check–> Juli glücklich.

Wirkliches Glück hatten wir mit unserer Standesbeamtin. Eine wirklich sehr engagierte Standesbeamtin die uns sogar zu einem gemeinsamen Vorgespräch einlud. Tipp dabei von mir: schreibt eure Kennenlerngeschichte in ein paar Zeilen zusammen (achtet dabei unbedingt auf eure Ausdrucksweise, manche Standesbeamte neigen dazu die Wortwahl 1:1 zu übernehmen) das erleichtert ihm oder ihr enorm die Arbeit und ihr könnt sicher gehen das eure Geschichte auch richtig ist.

Mir war es wichtig, dass auch diese Trauung sehr persönlich wird. Wir haben nur im engsten Kreis standesamtlich geheiratet und so hatten wir genau hier die Möglichkeit unseren Lieben persönliche und emotionale Worte mit auf den Weg zu geben. Wir richteten Dank an unsere Eltern und Geschwister und auch unsere Trauzeugen bekamen sehr liebevolle Worte zu hören. Hier die Worte an unsere Eltern:

„Für unsere Eltern!

Diese Zeilen sind für Euch – für unsere Eltern, die wir lieben. Ihr habt Euch jahrelang um uns gekümmert, aber nur selten gehört, wieviel Ihr uns bedeutet. Daher möchten wir an dieser Stelle Danke sagen. Danke für die vielen Jahre, in denen Ihr nie aufgehört habt, Euch um uns zu sorgen und in denen Ihr alles versucht habt, unsere Träume in Erfolge zu verwandeln. Danke für die Geduld und das Verständnis, das Ihr uns gabt, als wir eigene Wege beschritten haben. Danke für Eure Liebe, ohne die wir nicht hätten leben können. Mit Eurer Liebe und Erfahrung habt Ihr uns zu den Menschen gemacht, die sich heute das Ja-Wort geben. Hoffentlich können wir unseren Kindern auch soviel geben, wie Ihr uns gegeben habt.“

Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei dieser Trauung mehr Tränen vergossen habe als in der Kirche, vielleicht lag es aber auch nur an der Aufregung oder an den vielen persönlichen Worten. Die Danksagungen hat unsere Standesbeamtin für uns vorgelesen, selbst hätten wir es wohl nicht geschafft. Ist vielleicht auch für euch eine Idee wie man diesen eher bürokratischen Teil der Hochzeit auch wunderschön gestalten kann.

Große Erleichterung nach dem ersten Kuss als Mann und Frau. Die Ringe wurden angesteckt und unsere Trauzeugen unterschrieben mit uns gemeinsam die Heiratsurkunde. Nach der Trauung wurden unter freiem Himmel kleine, selbstgemachte Snacks gereicht und ordentlich angestoßen. Die Kids konnten gleich in ihre Spielsachen schlüpfen und auf dem wunderschönen Gelände des Gutes Fussball spielen. Es war alles sowas von idyllisch und entspannt. Die Sonne schien und wir waren einfach nur erleichtert und glücklich. Nach ca. einer Stunde sammelten unsere Trauzeugen dann unsere Eheringe ein und verwahrten sie bis zum nächsten Tag,- unseren großen Hochzeitstag! Den großen Tag, könnt ihr übrigens HIER in Bild und Text nachempfinden.

Mein Brautstrauss sollte eigentlich am nächsten Tag als Wurfstrauss fungieren. Nur leider habe ich das in der ganzen Aufregung und Freude total vergessen. Nicht schlimm, denn meine liebe Mama freute sich umso mehr, als sie das hübsche Ding mit nach Hause nehmen durfte. Mein kurzes Standesamtkleid war übrigens von Asos. Kleiner Tipp für euch Bräute, dort bekommt man wunderschöne festliche Kleider.

Die Trauung war einfach, klein und ohne viel Drumherum und dennoch ein so tolles Erlebnis. Ich war so überglücklich das das Wetter mitspielte. Im Nachhinein hätte ich vielleicht noch ein paar PomPoms in die große Eiche gehangen, nur fürs Auge, aber eigentlich hat die Umgebung und die Anwesenheit all unserer Lieben völlig gereicht.

Vielleicht konnte ich der ein oder anderen Braut das Grauen vor der standesamtlichen Trauung nehmen, oder auch zu etwas Inspiration beitragen. Vergesst die Bürokratie, denn was zählt seid ihr und eure Liebe zueinander!

Ich drück euch.

Eure Juli

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