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Brautgeschichten: Freie Trauung

Wenn man schon „nur“ standesamtlich und nicht kirchlich heiratet, wünscht man sich als Frau dennoch DEN Auftritt, Prinzessinnen-like, wie im Hollywoodfilm eben. Wie es Juli letztens in Ihrem Post von der kirchlichen Trauung beschrieben hat: roter Teppich liegt aus, Blütenblätter liegen verteilt und die Braut schreitet, angeschmiegt an Papas Arm, zum Altar.
Genau das war schon immer meine Vorstellung von einer Trauung, seitdem ich klein war! Schon immer habe ich meinem Papa gesagt, dass er der Mann sein wird, der mich an meinen Zukünftigen übergeben wird. Und ich glaube zu wissen, dass es ihn sehr stolz gemacht hat, diese Aufgabe zu übernehmen. Aber nachdem ich kurz vor dem Beginn der Hochzeitsplanung aus eigener Überzeugung dann die Papiere zum Austritt aus der Kirche unterschrieb, habe ich meinen Traum langsam sterben sehen.
Ich stellte mir den Gang zum Herzmann vor. In einem weniger großen, mit Linoleum ausgelegten und nach der Vorgänger-Braut riechenden Raum im Standesamt!- Ganz ehrlich? Das ist doch nicht persönlich, romantisch und individuell. Nüchtern betrachtet fände ich dann ein weißes Kleid auch etwas overdressed, aber wahrscheinlich lag das wohl an den Standesamt-DerNächsteBitte- Massenabfertigungserlebnissen aus meinem Freundeskreis.

Als wir wenig später auf der Messe unsere Hochzeitsplaner kennenlernten, sprach ich genau dieses Thema direkt im ersten Gespräch an. Á la: Nennt mir eine Lösung und ihr seid engagiert! Eine freie Trauung sollte unsere Lösung sein. Mit einem freien Redner, der im Prinzip auch unser Nachbar hätte sein können. Denn das offiziell Vertragliche, besiegelt sowieso das Standesamt. Die einzige Anforderung an den Redner ist also nur, dass er sich gepflegt ausdrücken kann. So einer wird doch wohl zu finden sein.

Die Hochzeitsplaner waren engagiert. Nach dem wir unsere erste Hochzeitslocation notgedrungenermaßen verlassen mussten (näheres in einem anderen Artikel), planten wir die Hochzeit auf einem Schloß bei Dresden. Direkt auf dem Grundstück boten sich gleich mehrere Möglichkeiten an, der freien Trauung einen Rahmen zu geben. Wir entschieden uns für eine freie Fläche vor einem Brunnen, sozusagen dem Hingucker des Schlosses. Zu dieser Fläche kam man über eine lange Treppe, welche direkt am Schloß begann. In den Sommermonaten tummeln sich natürlich auch Touristen an so einem Ort, aber das sollte uns weniger stören. Ich hatte vor ca. 6 Jahren mit meiner damaligen Firma eine Weihnachtsfeier in genau diesem Schloß und beim rumalbern mit meiner Kollegin hatte ich damals gesagt: „Wenn ich heirate, dann laufe ich hier die Treppen hoch.“ Dieser Satz war mir die ganzen Jahre entfallen und genau in dem Moment, als wir zur Besichtigung der „Ausweich-Location“ am Fuße der Treppe standen, füllten sich meine Augen mit Tränen und da kam mir diese Aussage wieder in den Sinn, als wäre sie nie weg gewesen.

Aber natürlich war die Voraussetzung für alles, dass das Wetter mitspielt. Auf schönes Wetter hat man zwar im August recht gute Chancen, aber ich kann mich auch an viele Jahre erinnern, als es im August geregnet und gestürmt hat. Dafür gab es dann zur Sicherheit die Indoor-Variante im Schloß. Zu unserer gebuchten Location gehörte nicht nur der Saal, in dem wir mit allen Gästen zu Abend aßen; sondern auch ein Raum mit Bar, in welchem das Buffet aufgebaut wurde. Hinzu kam ein weiterer Raum, in welchem später getanzt werden konnte. Nadja ist eine erfahrene Hochzeitsplanerin und sie verriet mir gleich bei unserem ersten Treffen einige Details, welche sie sich gut für unsere Hochzeit vorstellen könnte. Sie hatte einen Dienstleister an der Hand, welcher weiße Gartenstühle bereitstellen könnte. Auch eine Rednerin, welche ebenso als Moderatorin arbeitet, war schnell gefunden. Der DJ würde sich um die Akustik, das Mikrofon der Rednerin und die Musik für den Gesang kümmern. Man könne dazu beispielsweise einen Blumenbogen aufstellen, unter welchem wir uns das Jawort geben. Auch der Name eines Geigenspielers fiel ihr sofort ein.

Der vorgeschlagene Rahmen gefiel mir schon mal sehr gut. Es gibt bei einer freien Trauung schließlich soooo viele Ideen, welche man umsetzen kann. Wie schon einmal erwähnt, ließ mir der Herzmann da wirklich alle Freiheiten. Ich sollte selbst entscheiden, wie die freie Trauung letztendlich gestaltet wird. Das ließ mir wiederum den Raum für viele Ideen, die ich in Ruhe abwiegen konnte. Zuerst entschied ich mich also für einen Blumenbogen, dann wiederum dagegen. Nachher wollte ich eine Liveband, dann aber doch nur eine Sängerin. Am Anfang wollte ich gern gemeinsam mit dem Herzmann den Gästen entgegenlaufen. Doch dann entschied ich mich letztlich für den Gang mit meinem Papa ganz allein.
Solche Entscheidungen, wie man sie für diesen wichtigen Tag treffen muss, brauchen einfach Zeit. Man sollte sich die Freiheit nehmen, einige Nächte darüber zu schlafen und immer wieder zu hinterfragen ob es genau das trifft, was man sich vorstellt. Denn im Herzen habt ihr eure Entscheidungen schon alle getroffen, ihr müsst sie jetzt nur noch passend formulieren.

Und nun möchte ich euch einen kurzen Einblick davon geben, was mein ganz persönliches Highlight der Hochzeit war.
Nadja rief mich nach dem Fotoshooting in den Weinbergen ins Schloß herein, puderte mich noch einmal ab und setzte mich mit einem Glas Wasser in den großen Saal. Wir hatten den Vormittag mit Eltern und Geschwistern verbracht. Nun kamen alle weiteren Gäste, bestehend aus Freunden und Bekannten, hinzu. Der Herzmann begrüßte sie draußen und Nadja kümmerte sich darum, dass sich alle Gäste schnellstmöglich im Spalier an der Treppe aufstellten, denn ein größerer Regenschauer drohte. Genau diesen Regenschauer hatte ich übrigens schon seit Tagen im Visier, ich analysierte schließlich schon seit Monaten den Wetterbericht. Ehrlich gesagt hätte ich Analysen und Konzepte darüber schreiben können, welche Quelle am zuverlässigsten das Wetter voraussagt. Ich wollte jetzt nicht zulassen, dass mir dieser Regenschauer die freie Trauung vermiest!

Ich begutachtete drinnen schon in Ruhe die ersten Geschenke und auch die Tische für das Abendessen waren schon eingedeckt und dekoriert. Die Blumen, die großen Kerzenleuchter, die Gastgeschenke, die Candybar- alles war perfekt und genau so, wie ich es mir erträumt hatte und, wie wir es seit mittlerweile 20 Monaten geplant hatten. Dann kam Nadja wieder rein zu mir und fragte, ob ich bereit sei. Natürlich! Etwas aufgeregt, aber alles gut. Diese 5 Minuten nur für mich taten richtig gut. Allerdings war es nicht möglich, ansatzweise Revue passieren zu lassen, was an diesem Tag bis jetzt schon alles passiert war; das ist wahrscheinlich erst im Nachhinein möglich. Mein Papa kam noch eben ins Schloß reingestürzt, der hatte nämlich in der ganzen Aufregung vergessen, dass er mich zum Herzmann führen soll, stattdessen hatte er sich bei den anderen Gästen mit eingereiht. Mein Papa eben.

Der Blick ging nach draußen durch die geschlossene Holztür mit den Glaseinsätzen. Die ganzen Menschen da draußen, sind heute nur wegen uns gekommen! Sie wollen sehen, wie wir unsere Liebe besiegeln. Und was noch mehr fetzt: Sie halten pinke und weiße Luftballons in der Hand- was mein Wunsch war, den ich jedoch immer nur meiner Trauzeugin gegenüber geäußert hatte. Eine Mitarbeiterin des Schlosses und Nadja hielten die Klinken fest. Mein Papa und ich positionierten uns dahinter. Nach „3,2,1, los!“ öffneten sich die Türen und wir gingen hinaus. Wir schritten die vielen Treppen hinauf, ich erkannte nach und nach all die vertrauten Gesichter meines und unseres Lebens. Die Sängerin sang „Kissing you“ und ich ließ den Tränen einfach ihren Lauf. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich nur davon berichte. Ich kann es auch nicht wirklich in Worte fassen, was in diesem Moment in einem vorgeht.

 

Der Herzmann sah mir entgegen und ich war irgendwie doch froh und erleichtert, als ich diesen langen Gang zu ihm gemeistert hatte. Alle Gäste liefen hinter uns nach oben und nahmen ihre Plätze ein. Unsere Rednerin hatte ich ein paar Tage vor der Hochzeit in einem Café getroffen und mit ihr gemeinsam besprochen, wie sich die Rede gestalten soll. Ich erzählte ihr so einiges über unsere gemeinsame Zeit, ließ keine Höhen und Tiefen aus, berichtete vom ersten Kuss beim ersten Date und von allem, was uns über die Jahre mehr und mehr verbunden hat. Sie hielt insgesamt eine ganz wunderbare und für alle Anwesenden emotionale Rede, welche sie mit dem Liedtext von „Ain´t no mountain high enough“ begann. Sie brachte Witz, Charme und Gelassenheit zur Romantik und stammelte nicht nur monoton dahin, wie sehr wir uns alle lieben. Sie fasste unsere Geschichte für uns und unsere Gäste einfach nochmal auf lockere Art und Weise zusammen. Das war das was wir wollten, und was allen sichtlich gefiel. Zwischendurch sang Birgit „Ain´t no mountain high enough“ und „Endless love“. Es folgte das selbstformulierte Eheversprechen mit anschliessendem Ringtausch. Für dieses hatten wir uns erst 1 Woche vor dem großen Tag entschieden. Es war wirklich schwer auf Kommando ein paar schöne Zeilen zu verfassen. Zuallererst hatte ich Google befragt, mich dann aber nach einigen Versuchen für eine ganz persönliche Version entschieden. Im Bild seht ihr einen Ausschnitt meines Eheversprechens an den Herzmann. Beim Vortrag unserer Eheversprechen flossen nicht nur bei mir reichlich Tränen.
Einen kleinen DIY-Anteil gab es auch bei diesem Teil des Tages. Für die Trauung bestellte ich kleine Seifenblasenfläschchen, welche die Gäste auf den Stühlen erwarten sollten. Ich verzierte sie mit einem Anhänger mit der Aufschrift: Their love will grow with each bubble you blow. So blow well wishes to the new Mr. and Mrs. Die Aufkleber dafür hatte ich wieder bei Casadifalcone bestellt.


Nachdem wir uns dann die Ringe angesteckt hatten und die symbolische Urkunde zur Eheschließung unterzeichnet hatten, folgte der Hochzeitskuss. Genau in diesem Moment ließen die Gäste die Luftballons steigen. Ein toller Augenblick, den wir Arm in Arm genossen.
Diese ganze Stunde, die wir da draußen verbrachten war wahnsinnig schön. Sie war emotional, witzig und einzigartig. Unter freiem Himmel, so verletzlich und doch durch den Symbolwert so stark. Der Wind frischte ab und an langsam auf und die Musik ließ ihn wieder ruhiger werden, es hatte alles etwas Magisches, was da passierte.
Die Rednerin beendete die Trauungszeremonie mit ein paar weiteren Worten und danach schritten wir Hand in Hand die Treppe hinunter, wo einige weiße Tauben auf uns warteten. Diese waren ein Geschenk meiner Eltern. Wohl wissend, dass nicht nur Sonnenschein für diesen Tag angesagt war, buchten sie die Indoor-Variante mit Tauben, welche nicht wegfliegen, sondern die man streicheln konnte. Die Gäste folgten uns und alle Gäste bekamen ein Glas Sekt gereicht, welcher im übrigen direkt vom Weingut stammte, auf welchem wir uns befanden. Wir stießen gemeinsam an, verbrachten noch einige Zeit mit den Tauben und nahmen gemeinsam ein paar Hochzeitsselfies und ein Gruppenbild auf. Just in dem Moment, als wir gemeinsam das Schloß betraten, fing es an zu regnen. Und da wusste ich einfach, dass es irgendwer da oben wohl sehr gut mit uns gemeint hat. Wer auch immer es war-Danke.

Nicht nur die freie Trauung trug dazu bei, dass es rundrum ein unglaublich schöner Tag für uns war, aber sie hatte auf jeden Fall einen sehr großen Anteil daran. Vor Eintritt ins Schloß sägten wir, nach altem Brauch, noch einen bereitgestellten Baumstamm, welcher letztendlich vom Herzmann mit dem Beil gespalten werden musste, weil er so riesig war. Auch das, nur einer von so vielen unvergesslichen Momenten an unserem schönsten Tag im Leben.

Nun konnte die Party von mir aus beginnen! Und der Regen auch.

Bis bald ihr Lieben,

Eure Sarah

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