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Morgengabe

Bei manchen Google-Suchen, die ich in den ganzen Monaten durchgeführt habe, sind mir einige Begriffe begegnet, mit welchen ich in den ersten Momenten nicht wirklich etwas anfangen konnte. Zum Beispiel die Morgengabe.

„Die Morgengabe ist eine in Bezug auf die Ehe vorgenommene Zuwendung von Geld oder Gütern des Bräutigams an die Braut.“ (Wikipedia)

Hochzeitsmorgen

In manchen Hochzeitsblogs habe ich dann gelesen, dass der Herzmann der Braut beispielsweise ein Armband oder Ohrringe geschenkt hat (vorzugsweise die von Tiffany versteht sich), welche sie an dem Tag dann getragen hat. Allerdings hatte ich meinen Schmuck schon beisammen und ich hatte auch nie einen Wunsch bezüglich Schmuck geäußert. Und welcher Herzmann weiß schon, was eine Morgengabe ist, geschweige denn wer Tiffany ist? Meiner jedenfalls nicht. Aber warum sollte eigentlich nicht der Herzmann eine Morgengabe bekommen? Ich hatte da so eine Idee im Kopf…

Meine Schwiegermama habe ich leider nie kennengelernt und der Herzmann hatte zwischendurch mal geäußert, dass er gern ihr Foto in der Innentasche des Sakkos tragen möchte, um sie irgendwie noch näher bei sich zu haben, an diesem bedeutsamen Tag. Sie wäre sicher sehr stolz auf ihn gewesen, dass er diesen großen Schritt wagt, also wollte ich ihm diesen Wunsch gern erfüllen. Und letztendlich ließ sich sein Wunsch ganz prima als Morgengabe kombinieren. Also gut, Aufgabe klar: Morgengabe für den Herzmann.

Nun ja, ein Foto rauszusuchen und es zu laminieren hätte ich schon noch geschafft, aber das ist jetzt nicht wirklich nachhaltig oder besonders kreativ. Bei Lara auf Instagram hatte ich dann gesehen, dass sie lauter kleine Medaillons gestaltet hat, um ihre Großeltern bei sich zu tragen. Aber wo bekommt man sowas? Ich mein, ich habe doch bis jetzt nicht einmal ein Foto von ihr gefunden. Kurzes Drama, leichte Verzweiflung, aber Bridezillas kämpfen!

Dawanda war schon für viele verrückte Ideen meine Lösung. Ich suchte nach Medaillons, Amulett, Fotokette, Anhänger und so weiter und sofort. Schließlich fand ich eine Kette mit Medaillon, welches man personalisieren lassen konnte. Echte Handarbeit versteht sich.
Nun brauche ich nur noch ein Bild. Problem erkannt. Als der Herzmann einmal nicht zu Hause war, durchsuchte ich seine Bilderordner auf dem Rechner, und wurde sogar fündig. Glücklicherweise hatte er die vergangenen Winterabende damit verbracht, alte Dias abzuscannen. 2 Bilder daraus kamen dann zur Wahl. Eines aus weit vergangenen Zeiten und eines, was wohl aus der Zeit seiner frühen Kindheit stammte. Dieses Bild eignete sich ganz wunderbar. Das Gesicht war gut zu erkennen und das war das Wichtigste. Ich lud das Bild bei Dawanda hoch und bestellte die Kette bei Schmuckfanatasien.

Nach einer reichlichen Woche Wartezeit traf der kleine Umschlag ein und das liebevoll verpackte Kistchen begeisterte mich direkt. Als ich dann ganz vorsichtig hineinsah, stiegen mir sofort die Tränen in die Augen. Ich hätte in dem Moment die liebe Anne von Schmuckfantasien am liebsten geknutscht und gedrückt weil sie mir damit so eine riesengroße Freude bereitet hat. Mir war in dem Moment schon klar, was es dem Herzmann bedeuten würde, diese Kette geschenkt zu bekommen.

Eines Nachmittags kurz vor der Hochzeit rief der Herzmann seinen Dad an. Ich machte riesen Ohren und rutschte immer näher ran. Die wollen doch jetzt nicht etwa meinen Plan kaputt machen!?
Und dann kam schließlich die Frage: „Hast Du vielleicht ein schönes Bild von ihr, was Du mir schicken kannst?“ – Ich ließ ihn noch eben auflegen, und versuchte dann mit hochrotem Kopf und vielen „ähms“ zu erklären, dass er sich mal bitte nicht so viele Gedanken machen soll und alles gut wird. Diesen Wink hatte er verstanden und sich zum Glück keine Gedanken mehr darüber gemacht (nicht zuletzt, weil ich einfach keine gute Schauspielerin bin). Puh.

Am großen Tag beim Getting ready konnte ich dann nur noch daran denken, um Gottes Willen nicht die Kette zu vergessen! Während meine Mama und meine Schwägerin noch an meinem Kleid rumzuppelten, hielt ich die Kette schon fest in meiner Hand und dabei entstand dann auch dieses tolle Foto.

Beim First Look war es dann soweit und ich konnte ihm endlich die Kette überreichen. Er sollte seine Hand öffnen und ich ließ die Kette Stück für Stück hinein gleiten. Auch der Herzmann hatte direkt Tränen in den Augen. Noch im Auto auf dem Weg zum Standesamt machte ich ihm die Kette um und er trug sie den ganzen Tag unter seinem Anzug und hatte seine Mum so die ganze Zeit ganz nah bei sich.

Gerade die Menschen, die nicht mehr bei uns sind, vermissen wir schmerzlich an solch einem Tag. Auch ich habe in manchen Situationen gedacht, wie gern hätte ich beispielsweise meine Großeltern jetzt bei mir gehabt. Aber ich bin mir auch sicher, dass meine Großeltern, seine Mum und seine Oma dort oben eine riesen Fete veranstaltet haben. Sie waren bei uns, in jeder einzelnen Sekunde, auch, wenn wir sie nicht gesehen haben- wir haben es gespürt.

*Thank you for raising the love of my life!*

Bis bald ihr Lieben,

Eure Sarah

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